Vita
Dr. Beatrice Wagner ist eine erfahrene Paar- und Sexual-therapeutin mit einem Diplom in der Sexualmedizin, erworben an der Ärztekammer Österreich. Sie praktiziert in einer Privatpraxis in der Nähe von München. Außerdem war sie viele Jahre Lehrbeauftragte für Medizinische Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und ist zudem Buchautorin. In ihrem neuesten Buch "Roboterliebe" warnt sie explizit davor, sich via Chatbot zu sehr auf die KI einzulassen.
Psychotherapeutische Qualifikationen
Ich bin diplomierte Sexualmedizinerin, das Diplom wurde ausgestellt von der Akademie für Sexualmedizin der österreichischen Ärztekammer (ÖÄK).
Sexualtherapeutisch bin ich eine "Schnarchianierin". Klingt komisch, aber es ist halt so. Es geht zurück auf David Schnarch, ein US-amerianischer Sexualtherapeut, der den Crucible-Ansatz entworfen hat. Darin geht es darum, dass beide Partner jeweils eine eigene Verantwortung für die Beziehung tragen. Bei David Schnarch habe ich von 2011 bis 2020 jährlich klinische Praktika und Workshops absolviert und dabei Einblick in seine wundervolle Denkweise, sein Menschenbild und seine Arbeitstechnik erhalten (mehr dazu, siehe weiter unten). Genau wie bei David steht auch bei mir das System Beziehung im Mittelpunkt, ich arbeite ebenfalls systemisch. Das heißt, es gibt nie nur das Problem eines einzelnen, es sind immer beide Partner in einer Beziehung maßgeblich beteiligt.
Als weiteres Werkzeug benutze ich die Methoden der klassischen kognitiven Verhaltenstherapie. Hiervon haben es mir insbesondere angetan: ACT (Akzeptanz- und Commitmenttherapie) und der Schematherapie nach Jeffrey Young.
Ich verwende zudem Elemente der lösungsorientierten Kurzzeittherapie nach Steve de Shazer. Dieser Ansatz geht davon aus, dass es hilfreicher ist, sich auf Wünsche, Ziele, Ressourcen und die Ausnahmen vom Problem zu konzentrieren, anstatt sich in Probleme und deren Entstehung festzubeißen. Natürlich schauen wir in der Therapie darauf, worin das Problem besteht und woher es kommt. Dann aber konzentrieren wir darauf, wie wir von dem Problem wegkommen. Dieser Therapieansatz passt wunderbar zu der Crucible-Therapie von David Schnarch, der immer appellierte, nicht nur die Defizite zu sehen, sondern vor allem auch das, was gut ist.
Beim Institut Sexocorporel Deutschland habe ich einführende Seminare absolviert und bin mit dieser Methodik vertraut.
Was nun ungewöhnlich erscheinen mag, aber doch so wichtig ist: Ich bin versiert in der Traumarbeit nach der Methode von Ortrud Grön. Diese gründet sich darauf, dass unser Traumbewusstsein uns Botschaften in symbolischer Form sendet und dass das Traumbewusstsein es "gut mit uns meint". Die Kunst besteht allerdings darin, die Verarbeitung von Tagesresten und die Übermittlung von tiefgründigen Botschaften voneinander zu unterscheiden.
Wen ich auch mag und schätze ist Irvin D. Yalom. Viele kennen ihn durch durch seine Rome, wie "Und Nietzsche weinte", "das Spinoza-Prolbem", oder die "Schopenhauer-Kur". Yalom hat aber auch ein Grundlagenwerk geschaffen, die "Existentielle Psychotherapie". Hierin beschreibt er, dass es in einer Psychotherapie letztlich immer nur um die folgenden vier universellen Dinge geht: Tod, Freiheit, Isolation, Sinnlosigkeit. Yalom sagt: "Ein Therapeut kennt diese letzten existenziellen Dinge aus eigener Anschauung, genauso wie der Patient, eben weil diese Dinge universal sind."
Nun aber, zu guter Letzt: DIe rechtliche Grundlage meiner Arbeit in Deutschland besteht in einer Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie. Als solche bin ich beim Gesundheitsamt in Bad Tölz gemeldet. Weil man sich aber zunächst einmal selbst kennenlernen sollte, bevor man andere therapiert, habe ich zeitgleich eine Lehranalyse bei Lehranalytiker Dr. med. Siegfried D. Gröninger, München durchgeführt.
Mein wissenschaftlicher Hintergrund
Es begann vor 20 Jahren (1995) auf meiner persönlichen Geburtsstunde der Sexualmedizin. Auf einem Fachkongress in Bad Reichenhall, den ich als Medizinjournalistin besuchte, diskutierten die Wissenschaftler die Entdeckung, dass unser Bewertungssystem der Gefühle (Mandelkern / Amygdala) an der Wahrnehmung von sexueller Erregung und Lust beteiligt ist. Eine sensationelle Entdeckung. Sie bedeutet, wir können erregt sein und brauchen dennoch keine Lust zu haben. „Lust entsteht zwischen den Ohren und nicht zwischen den Beinen“, war meine Erkenntnis. Probleme können auch nur dort gelöst werden, und nicht mit neuen Sexualpraktiken. Dazu wollte ich mehr wissen, habe alle möglichen Kongresse zu Sexualmedizin und Sexualtherapie besucht, und mich fachlich auf dieses Thema spezialisiert.
Promotion
Promoviert habe ich bei dem Hirnforscher Professor Ernst Pöppel in der Medizinischen Psychologie an der Universität München (LMU). „Das episodische Gedächtnis in der Medizin“ – so das Thema meiner Doktorarbeit (2005). Was heißt das? Wir alle tragen innere Bilder in uns. Diese bilden sich aus emotional bedeutsamen Momenten in unserem Leben und werden in unser "episodisches Gedächtnis" ins Langzeitgedächtnis eingespeichert. In Form von inneren Bildern können wir somit die besonders guten und die besonders aufwühlenden und schmerzhaften Momente jederzeit betrachten. Unsere inneren Bilder geben uns Aufschluss darüber, warum wir so sind, wie wir sind. Sie helfen uns, unsere Identität zu finden. Damit habe ich mich in meiner Doktorarbeit befasst. Später habe ich diesen Ansatz als Identitätsstiftende Therapie (IST) weiter ausgebaut, mit Anregungen von Dr. Yuliya Zaytseva von der Lomonosov-Universität in Moskau (in Kooperation mit der medizinischen Akademie der Wissenschaften, Psychiatrieprofessor Krasnow).
Bei Beziehungskrisen und sexuellen Problemen hilft es, sich anhand seiner eigenen inneren Bilder und seines episodischen Gedächtnisses erst einmal selbst wiederzufinden.
David Schnarch
Das ist der Autor der Bücher "Psychologie der sexuellen Leidenschaft" und "Intimität und Verlangen", und ein bekannter US-amerikanischer Sexualtherapeut. David Schnarch hat zusammen mit seiner Frau Ruth Morehouse die bisherige Sexualtherapie auf den Kopf gestellt und den Crucible-Ansatz entwickelt. Der besagt unter anderem, dass zwei Liebende eher die Differenzierung als die Verschmelzung anstreben sollten. Persönliche Weiterentwicklung anzuregen, ist das Ziel seiner Interventionen. Zwei Partner, die im Konflikt sind, führt er in die konstruktive Konfrontation, und zwar so lange, bis sie dazu bereit sind, sich dem echten Problem zu stellen. So heißt sein Ansatz auch Crucible-Ansatz, das englische Wort für Feuerprobe.
Schnarch war ein Meister darin, den Paarkonflikt auf den Punkt zu bringen und Scheingefechte als solche zu entlarven.
Ich habe viel bei ihm gelernt.
Oswalt Kolle
Oswalt Kolle – DER Aufklärer schlechthin. Er hat es möglich gemacht, mit seinen Aufklärungsfilmen in den1970ern, dass über Sex ganz normal geredet werden kann. Mit Oswalt verband mich eine liebevolle Freundschaft. Es wird zwar viel über Sex geredet, sagte er immer, allerdings nur oberflächlich. Das ehrliche und offene Reden über Sex, war Oswalt Kolles innerer Lebensauftrag. Als es mit ihm zuende ging, das war im Jahr 2010, war ich bei ihm. Wir hatten damals gerade an dem Buch "Sex – die 10 Todsünden" gearbeitet. Er war da so lebendig, so lebensfroh und dann ging es mit einem Mal sturzbachartig bergab. Ich verstehe es bis heute nicht. Und ich vermisse ihn bis heute. An einem seiner letzten Tage hat er mir wortwörtlich seinen Lebensauftrag – offen, intim und ehrlich über Sex zu reden – in meine Hände übergeben. Ich habe es ihm versprochen und somit angenommen. Oswalt hatte in einer Zeit angefangen über Sex zu reden, als das noch richtig schwierig war. Heute scheint das so leicht zu sein. Und doch ist es schwierig, auf eine bedeutsame Weise über Sex zu reden. Wie das? Zum Beispiel: Oswalt hatte damals gesagt, dass er gegen Pornos sei. Ja, aber nicht, weil er prüde sei, das war er natürlich nicht, sondern weil Pornos eine falsche Welt vorgaukeln. Wir lernen das Falsche, wenn wir Pornos betrachten. Das ist eine Art Märchenwelt, die nicht real ist. Das wollte Oswalt nicht, das war nicht sein Verständis von Sexualität. Obwohl er der Aufklärer schlechthin war, war Sex für ihn nicht beliebig. Und übrigens: Mit der künstlichen Intelligenz und ihren Möglichkeiten wird die Beliebigkeit nochmal verstärkt. Das hat Oswalt aber allesgar nicht mehr miterlebt. Heute kostet es eher umgekehrt Mut zu sagen, dass man – wie Oswalt – gegen Pornos und Deepfakes und KI-generierte Sexfilmchen ist. Ich aber sage es, ich trete dafür ein, weuil es nämlich bei der Sexualität nicht um immer noch mehr geile Techniken geht, sondern um Intimität. Das andere ist zwar auch schön, aber auf die Intimität kommt es letzten Endes an. Ich fühle mich darin bestärkt, auch weil ich meine, dass es das ist, was Oswalts Lebensauftrag heute bedeutet.
Ausblick
Psychotherapie und Neurologie / Hirnforschung wachsen zusammen. Diesen künftigen Bereich der Neuro-Psychotherapie verfolge ich mit besonderem Interesse, zum Beispiel indem ich weiterhin mit dem Institut für Medizinische Psychologie an der LMU verbunden bin.
Sexualtherapeutisch bin ich durch Fortbildungen immer auf dem neuesten Stand. Bis zum Jahr 2020 nutzte ich jedes Jahr jede Gelegenheit, um Fortbildungen bei dem Sexualtherapeuten David Schnarch durchzuführen. Leider starb David völlig unerwartet am 8.10.2020. Diese Lücke ist groß und er fehlt uns allen immer noch. Doch sein Ansatz, die Crucible-Therapie, ist in der Welt und wird die Sexualtherapie auch in Zukunft bereichern.
Als Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS) versteht es sich von selbst, dass ich mich kritisch mit allen neuen Entwicklungen auseinandersetze und mich darüber austausche. Psychologisch und medizinisch gleichermaßen.